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Fortsetzung: Harriet Taylor Mill

Für Taylor/Mill besteht die wahre Tugend des Menschen darin,
als Gleiche miteinander zu leben. Eine biologistische Erklärung
für die Ungleichheit der Geschlechter lehnen sie ab. Und da die
Natur Mann und Frau nicht ungleich gemacht habe, sollten die
Menschen es auch nicht tun. Unterschiede in der körperlichen
Stärke seien nicht relevant.
In ihrem Modell einer partnerschaftlichen Ehe sieht Taylor
nicht nur die Möglichkeit zur Emanzipation, sondern auch zu
einem menschlichen Fortschritt für beide Geschlechter. Es gilt
Taylor als Zeichen des Fortschritts, wenn sich in einer Zivilisation
die Gleichheit der Geschlechter entwickelt. Die Unterdrückung
der Frau sei das Hindernis einer modernen Entwicklung
und ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Im Gegensatz zu Mill
sieht Taylor die Erwerbstätigkeit der Frau nicht als Notlösung
für schlechte Zeiten an. Es sei unsinnig, die Frauen auf das Haus
zu beschränken und damit ein Potential von 50% der Menschheit
brach liegen zu lassen.
Neben der besseren Erziehung an elementaren und höheren
Schulen und Zugang zu den Universitäten fordert sie auch die
Teilhabe an der produktiven Erwerbstätigkeit sowie gleichen
Anteil an der Gesetzgebung und das Stimmrecht. In Taylors
Augen war allerdings das Stimmrecht nicht ausreichend, denn
sie erkannte, dass ohne eine wirtschaftliche Gleichstellung der
Frau auch deren politischer Einfluss unbedeutend bliebe. Also
sei die Teilhabe am kapitalistischen Markt ebenso notwendig.
Wenn Frauen auch in der Familie finanziell unabhängiger wären,
würden die Spannungen und die Gewalt in der Ehe abnehmen.
Gemäß dem utilitaristischen Prinzip würde das heißen: die Familie
wäre intakt und produktiv und deshalb ist es sinnvoll.

Ob ihr Gefühlsleben oder ihr Wesen, so kritisiert Taylor, Männer
finden immer wieder neue Argumente, die angeblich gegen
die Teilhabe der Frau am öffentlichen Leben sprechen; auch historische
Ausnahmefrauen konnten diese bisher nicht wirksam
beseitigen. Taylor entkräftet die üblichen Vorurteile, mit denen
der Ausschluss der Frauen aus öffentlichen Ämtern normalerweise
legitimiert wird: Mutterschaft, Konkurrenz und Verlust
der Weiblichkeit. In ihrer Argumentation kommt sie zu dem
Schluss, dass die Mutterschaft keine Zwangslage sei, die die
Frauen von der Ausübung eines solchen Amtes abhalten würde,
denn sie wären auch nicht häufiger abwesend als Matrosen oder
Soldaten, denen man solche Ämter auch nicht verwehren würde.
Auch das Hauptargument gegen die Erwerbstätigkeit der
Frauen, die zunehmende Konkurrenz für die Männer, entkräftet
sie, indem sie vorschlägt, die Kinderarbeit zu verbieten und dadurch
Stellen für Frauen zu schaffen. Wirtschaftlich gesehen
wäre die Gleichstellung auch vorteilhaft für den Markt und den
freien Austausch von Waren. Nicht vergessen werden dürfe
neben der Erwerbstätigkeit der Wirtschaftsfaktor Frau. Wenn
Frauen berufstätig wären, könnten sie sich ihren Lebensunterhalt
verdienen, würden durch ihren Konsum die Wirtschaft ankurbeln,
hätten ihre eigene Würde durch das Einkommen und
wären unabhängig. Deshalb müsse die Behandlung der Frau im
weiteren Kontext der sozialen Nützlichkeit gesehen werden.

Auszug aus: Ursula I. Meyer: Die andere Philosophiegeschichte, Aachen 2007

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