ROSWITHA VON GANDERSHEIM

mittelalterliche Mystikerin, ca. *932, †1000
R. (mittelhochdeutsch auch Hrotsvit, Hroswith, Hrotsvitha oder Hrotswith) war die erste uns bekannte deutsche Intellektuelle. R. lebte im Stift Gandersheim, einem prominenten sächsischen Kulturzentrum. Sie hat als einzige Frau auf deutschem Gebiet  zwischen dem 4. und 10. Jahrhundert  Texte, Verse und Dramen und  philosophisches Gedankengut verfaßt.
Über Roswithas Lebensdaten ist wenig bekannt, die meisten Angaben konnten nur aus Bemerkungen in den Vorreden ihrer Arbeiten rekonstruiert werden.
R.s Werk umfaßt eine Reihe von Dramen in Reimprosa, sowie zwei umfangreiche historiographische Werke zur Geschichte des Klosters Gandersheim und der Ottonen. Philosophisch interessanter sind ihre Dramen, die sie als Reaktion auf römische Theaterstücke, z.B. von Terenz, schrieb. R. sah  seine Texte als gefährliche Lektüre, vor allem wegen ihrer Darstellung der Frauen als „schamlose Weiber“. Als Gegengewicht zu dieser verzerrten Darstellung von Weiblichkeit entwarf sie in ihren Dramen das Bild der „heiligen christlichen Jungfrau“. Damit wandte sich R. auch entschieden gegen die von den Kirchenvätern verbreitete Auffassung, die Frau sei ein Werkzeug des Teufels und machte sie zum Werkzeug der göttlichen Gnade. Sie sieht die Frau nicht als dem Mann unterlegen, sondern sie triumphiert über ihn, weil sie ihm moralisch überlegen ist; hier wird auch ihre Nähe zur pythagoreische Lehre deutlich. Die Frau ist für R. Erlöserin und Trägerin des Heils.

Werk: Werkausgaben, 1501/1902/1930/1965; Migne: Patrologiae Latinae tomus 137, 1969; Sämtliche Dichtungen, 1966.

Weiterführende Literatur:  Philosophinnen-Lexikonn Die Welt der Philosophin I

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