LUXEMBURG, ROSA

sozialistische Theoretikerin und Politikerin, *5. März 1871 in Zamosc (Polen), †1919
L. war eine der bedeutendsten Sozialistinnen ihrer Zeit. Sie arbeitete aktiv im Parteivorstand. Aufgrund ihrer exponierten Position und ihrer politischen Äußerungen wurde sie mehrfach wegen Majestätsbeleidigung verurteilt. Doch L. kritisierte nicht nur den herrschenden Monarchen, sondern warf auch Lenin ‘Ultrazentralismus’ vor. Er strebte nämlich eine straff organisierte und zentralisierte, von Berufsrevolutionären geführte Kaderpartei an. L. dagegen glaubte nicht, daß der Sozialismus, von dessen historischer Notwendigkeit sie Zeit ihres Lebens überzeugt war, durch eine Minderheit von oben durchzusetzen sei. Sie betonte die Bedeutung der Massen als Subjekt revolutionärer Prozesse.
Im November 1906 wurde L. Dozentin für Nationalökonomie an der von August Bebel eröffneten Partei-Schule, wo Parteimitglieder für propagandistische Zwecke qualifiziert werden sollten. Dort war sie bis 1914 tätig. Im ‘Weibergefängnis’ in Berlin entstand dann ihre letzte größere theoretische Arbeit, die als Junius-Broschüre bekannte Denkschrift Die Krise der Sozialdemokratie – von Junius. In dieser Schrift zerstört L. die Legende vom Verteidigungskrieg und kritisiert die SPD, deren Reichstagsfraktion am 14. August 1914 den Kriegskrediten zugestimmt hatte. Das führte letztlich zur Spaltung der SPD und später zur Gründung des Spartakusbundes.

Werk: Sozialreform oder Revolution, 1899; Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus, 1913; Junius: Die Krise der Sozialdemokratie, 1916; Briefe aus dem Gefängnis, 1919/1961; Einführung in die Nationalökonomie, hg. v. P. Levi, 1925; Briefe an Freunde, 1950; Ich umarme Sie in großer Sehnsucht. Briefe aus dem Gefängnis 1915–1918, 1980; Gesammelte Werke, 1981; Gesammelte Briefe, 5 Bände, 1982–84; Politische Schriften, 3 Bände, 1985.

Weiterführende Literatur:  Philosophinnen-Lexikon

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