BÄUMER, GERTRUD

deutsche Theoretikerin und Politikerin, *1873 in Hohenlimburg, †1954 bei Bielefeld
B. arbeitete als Lehrerin und engagierte sich im Lehrerinnenverein Helene Langes (ADLV), durch den sie mit der Frauenbewegung in Berührung kam. Mit Lange verband sie ein enges Arbeits- und ‘Führungsverhältnis’, aus dem eine tiefe Freundschaft und langjährige Lebensgemeinschaft beider Frauen entstand. Parallel zu ihrem Engagement in der Frauenbewegung studierte B. Philosophie und Theologie bei Dilthey und Harnack.
Nach Abschaffung der Vereinsgesetze 1908 war sie zusammen mit Friedrich Naumann in der Parteipolitik aktiv. 1918 gründeten beide die DDP, die sie als Abgeordnete von 1919–1933 im Reichstag vertrat.
B.s geschriebenes Werk umfaßt Themen aus Tagespolitik, Religion, Geschichte, Volkswirtschaft und Philosophie. Gemeinsames Ziel ihrer Schriften sind pädagogische Menschenbildung und politische Emanzipation. Ziel ihres Emanzipationsinteresses war die Entwicklung eines neuen Frauentypus’.
Mit ihrer Rationalitäts- und Kulturkritik sucht B. Lösungen in der Rückwendung zu Natur, Instinkt und Volk. B. setzte auch große Erwartungen in die nationalsozialistische ‘Erneuerung Deutschlands’. Gerade für Frauen erhoffte sie von dem propagierten volks- und familienbezogenen Staat die Möglichkeit der politischen Mitarbeit.

Werk: Die soziale Idee in den Weltanschauungen des 19. Jahrhunderts, 1910; Die Frau und das geistige Leben, 1911; Die Frau in Volkswirtschaft und Staatsleben der Gegenwart, 1914; Fichte und sein Werk, 1921; Neuer Humanismus, 1930; Goethe/überzeitlich, 1932; Der neue Weg der deutschen Frau, 1946; (Hg.in) Die Frau. Monatsschrift für das gesamte Frauenleben unserer Zeit, 1/1892–52/1944

Weiterführende Literatur:  Philosophinnen-Lexikon, Die Welt der Philosophin IV

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