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Philosophin des Monats März Rosa Luxemburg
Als
Kämpferin für den Frieden und
gegen die Verelendung des Proletariats hat sich die sozialistische
Theoretikerin
Rosa Luxemburg ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hervorgetan. Politisch
hat sie
sich den Sozialdemokraten zugerechnet, ging aber letztlich in eine
kritische
Distanz zur Partei. Trotzdem war sie weiterhin von der sozialistischen
Idee
überzeugt. Luxemburg
war eine revolutionäre und
visionäre Denkerin. Und sie trat auch in der Öffentlichkeit
für ihre Ideale
ein. Das brachte ich nicht nur mehrere Gefängnisaufenthalte ein,
letztlich
wurde sie für ihre kritische Haltung ermordet. Hinterlassen
hat Rosa Luxemburg
nicht nur das Bild einer beeindruckenden Persönlichkeit, sondern
auch eine
Reihe kämpferischer Schriften, in denen sie sich auch mit den
marxistischen
Grundgedanken befasst, denen sie immer wohlgesonnen war. Auch wenn
viele ihrer
Genossen peinlich berührt waren, wenn Luxemburg sich dezidiert mit
ihren Artikeln und
Äußerungen auseinandersetzte, ging es ihr selbst immer
darum, den Klassenkampf
voranzubringen. Kleinliche Parteipolitik hat sie nicht interessiert. Vertraut hat Luxemburg zeitlebens auf die Potentiale der Arbeiterbewegung. Am Tag vor ihrem Tod schrieb sie: Die Massen sind das Entscheidende, sie sind der Fels, auf dem der Endsieg der Revolution errichtet wird. Auszug aus „Der philosophische Blick
auf den Frieden“,
Aachen 2023 Als Mahnerin für den Frieden ist auch
die sozialistische
Politikerin Rosa Luxemburg in die Geschichte eingegangen, nicht zuletzt
da sie
zusammen mit Karl Liebknecht wegen ihrer politischen Überzeugung
von
Freicorps-Soldaten der preußischen Armee ermordet wurde.
Luxemburg hatte sich
schon seit ihrer Schulzeit politisch engagiert, vertrat aber immer ihre
eigene
Position. Als Redakteurin und Journalistin verfasste Luxemburg Artikel
und
bissige Kommentare für sozialistische Zeitungen, in denen sie
immer wieder reformistische
Bestrebungen innerhalb der SPD und der Gewerkschaften kritisierte. Aber
mehr
als ihre Genossen griff sie natürlich die herrschenden Monarchen
an, was ihr
auch Gefängnisaufenthalte bescherte. Die herannahende Kriegsgefahr und die sich
steigernde
Kriegslust des Volkes, spürte Luxemburg sehr deutlich, deutlicher
als viele
andere Sozialdemokraten. Schon dass Karl Liebknecht 1907 für seine
Broschüre
Militarismus und Antimilitarismus verhaftet worden war, bestärkte
ihren
Verdacht. Die Auseinandersetzung über die zunehmende Kriegsgefahr
spaltete die
SPD im sogenannten Revisionismusstreit. Der Grund für ihre Ablehnung des
Krieges ist bei Luxemburg
nicht Friedensliebe oder Pazifismus, ganz im Gegenteil, in ihrem
Artikel
Friedensutopien, der am 6. Mai 1911 in der Leipziger Volkszeitung
erschienen
ist, argumentiert sie sogar gegen die »Friedensfreunde aus
bürgerlichen
Kreisen, die glauben, dass sich Weltfriede und Abrüstung im Rahmen
der heutigen
Gesellschaftsordnung verwirklichen lassen.« Diese verkennen nach
ihrer Meinung,
dass sich im Rahmen der geltenden Gesellschaftsordnung und des
Kapitalismus
niemals wirklicher Frieden herstellen lässt. Sie ist zwar auch für die
Eindämmung des Militarismus, aber
sie bleibt dennoch eine durchaus kämpferische Person, die zur
Revolution
aufruft. Aber zu einer anderen, zur proletarischen. Sie will das System
des
Kapitalismus abschaffen, und der Arbeiterschicht zur Gleichberechtigung
verhelfen. Das ist ein Kampf, der sich in Luxemburgs Augen lohnt. Und
wenn
Gerechtigkeit hergestellt ist, dann gibt es auch Frieden, so ihre
These.
Voraussetzung ist die Abschaffung des kapitalistischen Systems. Luxemburg agitierte weiterhin gegen den
Krieg und wurde im
Februar 1914, ein halbes Jahr vor Kriegsausbruch, wegen »Aufruf
zum Ungehorsam
gegen die Obrigkeit« zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ein
Jahr später musste
sie die Strafe im Weibergefängnis in Berlin antreten. Hier
entstand ihre letzte
größere theoretische Arbeit, die als Junius-Broschüre
bekannte Denkschrift Die
Krise der Sozialdemokratie, die Mathilde Jacob, Sekretärin und
engste Vertraute
Luxemburgs, Blatt für Blatt aus dem Gefängnis schmuggelte. Auch Luxemburg rechnet in ihrem Text ab, und
zwar mit ihren
Parteifreunden, die sie darin als reaktionär und bürgerlich
anprangert. Die
Junius Broschüre ist keine Friedensschrift, sie ist,
gemäß ihrem Titel in
erster Linie eine Abrechnung mit der Sozialdemokratie, die Luxemburg
akribisch
seziert. Statt sich gegen den Krieg zu stellen, hätten die
Sozialisten dem
Druck nachgegeben und den Kriegskrediten zugestimmt, ohne diese das
ganze
Unterfangen nicht hätte finanziert werden können. Und indem Luxemburg die Unnötigkeit und
den Wahnsinn des
Krieges anprangert, kämpft sie gegen ihn an.
»Geschändet, entehrt, im Blute
watend, von Schmutz triefend – so steht die bürgerliche
Gesellschaft da, so ist
sie. Nicht wenn sie, geleckt und sittsam, Kultur, Philosophie und
Ethik,
Ordnung, Frieden und Rechtsstaat mimt – als reißende
Bestie, als Hexensabbat
der Anarchie, als Pesthauch für Kultur und Menschheit –, so
zeigt sie sich in
ihrer wahren, nackten Gestalt.« In dieser Schrift zerstört Luxemburg
die Legende vom
Verteidigungskrieg und kritisiert die SPD, deren Reichstagsfraktion am
14.
August 1914 den Kriegskrediten zugestimmt hatte. Das führte zur
Abspaltung der
USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und
später zur
Gründung des Spartakusbundes. |
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