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Philosophin des Monats Juni

Emmeline Pankhurstemmeline

»Vote for women«, so hieß der Slogan, den die Suffragetten unter der Führung von Emmeline Pankhurst mit Säure in englische Golfplätze ätzen. Dass die Männer davon nicht begeistert waren, ist klar. Doch sie hatten es darauf angelegt. Die Forderungen der Frauen nach dem Wahlrecht wurden von allen politischen Parteien abgelehnt.

Deshalb nahmen die Frauen die Sache selbst in die Hand und gründeten 1889 die The Women’s Franchise League. Unter ihrer Führerin Emmeline Pankhurst vertrat sie eine radikalere Politik. Sie forderte das Wahlrecht für alle Frauen, egal ob verheiratet oder nicht. Damit setzte sich Pankhurst von der Politik der gemäßigten bürgerlichen Frauenbewegung ab, die vor allem für das Wahlrecht unverheirateter Frauen eintrat. Mit der Eheschließung sollten die Frauen dann ihre politische Stimme weiterhin an ihren Mann abtreten.

Auszug aus: Die Welt der Philosophin Band 3

Mit dem Wahlrecht verbanden die Frauen einen größeren politischen Einfluß, der sie befähigen würde, Mißstände zu beseitigen, z.B. die Arbeitsbedingungen von Frauen zu verbessern, die ökonomische Abhängigkeit der Frauen abzuschaffen und das Lohnniveau zu heben. Sie gingen davon aus, es gebe ihnen die Möglichkeit, nur von und für Männer gemachte Gesetze zu verändern. Diese Veränderungen wollten die meisten Frauen durch Reformen im Parlament durchsetzen.

Pankhurst, die in eine Familie mit einer langen Tradition des Radikalismus (Utilitarismus) eingeheiratet hatte, entwickelte sie sich nun immer stärker zur Sozialistin; 1894 Beitritt zur Independent Labour Party (ILP). Ihre politische Laufbahn begann Pankhurst als Kandidatin bei der Schulaufsichtsbehörde und als sie Arbeitslose bei ihren Demonstrationen unterstützte und das Recht auf Arbeit forderte. Trotz ihrer Angst vor öffentlichen Auftritten meldete sie sich bei den Versammlungen zu Wort. Von der Partei versprach sie sich eine Unterstützung für das Frauenwahlrecht, die jedoch ausblieb. Deshalb gründete sie 1903 mit anderen Frauen der ILP die Women’s Social and Political Union (WSPU), die wichtigste Frauenorganisation in England. Sie gaben eine eigene Zeitschrift, The Suffragette, und zahlreiche Flugblätter heraus. Führerinnen waren Emmeline und ihre Tochter Christabel und bis zum Beginn der militanten Phase ihre Tochter Sylvia Pankhurst.

Da sich die WSPU aus der ILP heraus entwickelt hatte, verfügten die Frauen über Bindeglieder zur Organisation und erhielten die offizielle Unterstützung für die Women’s Enfranchisement Bill (Gesetzesvorlage für die rechtliche Gleichstellung der Frau). 1904 wurde die Gesetzesvorlage übergeben, vom Parlament aber eher amüsiert diskutiert und abgelehnt. Daraufhin begannen die Frauen damit, politische Versammlungen zu stören. Die Kampagnen der WSPU wurde immer massiver, die Aktionen militanter. Die Frauen der Mittelschicht waren am aktivsten, während die Arbeiterinnen im Hintergrund blieben. Die Führerinnen der WSPU entfernten sich immer stärker von den linken Männern, was vor allem für die engagierten Arbeiterinnen schwierig wurde.

Da die ILP nicht weiter bereit war, sich für die Wahlrechtsforderung der Frauen einzusetzen, begann die WSPU eine unabhängige Wahlkampagne. Die meisten WSPU-AnhängerInnen stammten aus der gleichen sozialen Schicht, der neuen unteren Mittelklasse, sie waren Büroangestellte, Ladengehilfinnen oder Lehrerinnen.

Im Gefängnis, in dem sehr viele Suffragetten landeten, hatten sie nicht den Status politischer Gefangener, sondern wurden wie normale Straftäterinnen behandelt. Vor allem für die Frauen der Mittelschicht waren die dortigen Zustände problematisch und sie prangerten die Situation nach ihrer Entlassung öffentlich an. Doch erst der spektakuläre Fall der Lady Lytton schlug große Wogen: Constance Lytton hatte sich nämlich als Arbeiterin verkleidet und war unerkannt ins Gefängnis eingeliefert worden. Normalerweise wurden Frauen der Oberschicht bevorzugt behandelt, doch als man Lytton, die in Hungerstreik getreten war, künstlich ernährte und schlug, führte das, auch aufgrund ihres schwachen Herzens, zu einer lebenslangen Lähmung. Daraufhin brachte ihr Mann, Lord Lytton, 1910 eine Gesetzesvorlage für das Frauenwahlrecht ein. Als auch dieser Skandal nicht fruchtete, wurden die Suffragetten gewalttätig und zerstörten systematisch fremdes Eigentum. Sie warfen Fensterscheiben ein, auch in Downing Street 10, allerdings zogen diese Aktionen nur härtere Strafen nach sich. Sogar das Heiligtum der englischen Männer, den Golfplatz, verschandelten sie, indem sie mit Säure ihren Slogan Votes for Women in den Rasen brannten. Ihren Kampf gegen den männlichen Chauvinismus koppelten viele Suffragetten an sexuelle Abstinenz, was auch in dem Wahlspruch Votes for Women and Purity for Men, der 1913 entstand, deutlich wird; 1911 wurde ihnen sogar das Petitionsrecht entzogen. Nach 1912 galt die WSPU als illegale Organisation und verlegte ihr Hauptquartier nach Paris. Die Gruppe verfügte aber weiterhin über Aktivistinnen, die im Untergrund arbeiteten. Nur wenige Politiker, die früher mit den Frauen sympathisierten, hielten ihnen noch die Stange.

Die Zurückhaltung der Labour Party gegenüber den Forderungen der Frauen entsprang sicherlich einer Skepsis gegenüber dem Frauenwahlrecht, dem auch die liberale Partei gespalten gegenüberstand. Während sich Lloyd George für das Wahlrecht von Arbeiterinnen, ledigen Frauen und Witwen aussprach, gab es im Kabinett eine geschlossene Lobby dagegen, vor allem in der konservativen Partei.

1918 erhielten die Engländerinnen schließlich das eingeschränkte Wahlrecht, wahrscheinlich als Belohnung für ihre kriegswichtigen Dienste an der Gesellschaft und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Wirtschaft; das allgemeine bekamen sie erst 1927.

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