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Philosophin des Monats Juni

Hedwig Dohm

Werde, die du bist, das ist der Titel einer Novelle, die die deutsche Schriftstellerin und Philosophin Hedwig Dohm 1883 verfasste. Darin beschreibt sie drei Frauengenerationen, angelehnt an ihre eigene Geschichte. Sie selbst verkörpert die Generation der Großmutter. In ihrer Beschreibung zeigt Dohm die Zwiespältigkeit ihrer eigenen Persönlichkeit, sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren Überzeugungen und ihrer anerzogenen Frauenrolle. Die junge Frau, zur Witwe geworden, akzeptiert ihre neue Situation nicht nur, sondern empfindet sie als Befreiung.

Hedwig Dohm war eine der radikalsten Denkerinnen der ersten Frauenbewegung. Ihr wichtigstes Ziel war die Befreiung der Frauen. Am 1. Juni jährt sich ihr Todestag zum 100. mal. Dohm war eine unermüdliche Kämpferin und setzte sich von Anfang an für das Frauenstimmrecht ein. In ihren Texten hat sie bereits frühzeitig die Forderungen und Ideen der modernen Frauenbewegung vorweggenommen.

Beispielhaft ist ihre 1876 erschienene Text Der Frauen Natur und Recht. Er war auch in der damaligen Frauenbewegung wegen seiner Radikalität umstritten. Für Dohm steht die Forderung nach dem Frauenstimmrecht, am Anfang einer umfassenden Reform der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse sieht. Radikaler als viele ihrer Kolleginnen aus der bürgerlichen Frauenbewegung, ist es für Dohm ein den Frauen natürlich zustehendes Recht.die das Stimmrecht ans unerreichbare Ende ihrer Reformen stellten.

Trotz ihres bürgerlichen Hintergrunds hat Dohm gedanklich die Grundlagen für den radikalen Flügel der Frauenbewegung gelegt. Entwickelt hat er sich erst um die Jahrhundertwende und im 20. Jahrhundert entstanden. Die bürgerlichen Frauen ihrer Zeit begnügten sich meist noch mit der Forderung nach einer verbesserten Mädchenbildung.

Bildung ist aber auch Dohms Thema. Allerdings nicht die der Mädchen, sondern die wissenschaftliche Bildung. In ihrem Buch Die wissenschaftliche Emanzipation der Frau hat sie Argumente für das Frauenstudium zusammengestellt. Da sich Dohm besonders für die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium einsetzt, entpuppt sich ein Anatomieprofessors namens Bischof als Hauptgegner. Er hatte seinerseits in einer Schrift gegen die Frauen in der Medizin polemisiert.

Dohm entlarvt den pseudowissenschaftlichen Diskurs der damaligen akademischen Autoritäten. Sie beweist, daß es nur zwei Grundprinzipien bei der Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau gibt: die geistige und gut bezahlte Arbeit für die Männer und die mechanische und schlecht bezahlte für die Frauen.

Der Hauptgrund für den Ausschluss der Frauen aus dem Erwerbsleben liegt für Dohm in der von den Männern gefürchteten Konkurrenz. Ehrenamtlich dürfen Frauen gerne arbeiten, aber sobald Geld mit einer Beschäftigung verdient werden kann, wird sie zur Männerdomäne. Geschickt zeigt Dohm die Widersprüchlichkeiten der männlichen Argumentation auf: Sie sagt, wenn die Frauen wirklich so unbegabt sind, brauchen die Männer ihre Konkurrenz doch gar nicht zu fürchten.

Dohm war nicht nur eine schreibene Feministin, sie war auch politisch aktiv und Gründungsmitglied des Frauenvereins Reform. Sie kritisierte nicht nur die Männer dominierte Gesellschaft, sondern ebenso die gemäßigten Frauenrechtlerinnen, die sich zwar für Frauenbldung aber nicht für eine neues Rollenverständnis einsetzten.

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