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Philosophin des Monats Februar

Simone Weilsimone


Die französische Philosophin Simone Weil ist wohl eine der ungewöhnlichsten Frauen der jüngeren Geschichte. Als Revolutionärin und "rote Jungfrau" wird sie bezeichnet und davon war auch ihr Leben geprägt, vom Sozialismus und vom Kampf gegen Ungerechtigkeit.

Besonders an Weil ist, dass sie nicht nur, wie viele Philosophen und Philosophinnen, darüber schrieb. Sie kämpfte mit vollem Einsatz. Sie zog in den spanischen Bürgerkrieg, sie arbeitete in einer Fabrik, um das Leben einer Arbeiterin kennen zu lernen.

Das Ergebnis ihrer "Feldversuche" war allerdings oft enttäuschend. Ihre Tagebuchaufzeichnungen aus dem spanischen Bürgerkrieg nennt sie "Stenogramm einer wachsenden Enttäuschung". Ihre Erfahrungen in der Fabrik führten zu Resignation über das revolutionäre Potential der Arbeitenden.

Bereits mit 16 Jahren begann die hoch intelligente Weil bei ihrem wichtigsten Lehrer Alain zu studieren. Alain, eigentlich Émile Chartier, hatte Generationen von Linksintellektuellen in Frankreich beeinflusst. Sein Gedankengut prägte nicht nur Beauvoir und Sartre, sondern auch Weil in ihrer philosophischen Arbeit.

Schon früh hatte sie die Arbeiterbildung als ihre Aufgabe erkannt und unterrichtete nicht nur Kindern, sondern in ihrer Freiheit auch Erwachsene. Simone Weil war durch und durch Kommunistin, hat aber Marx' Theorien immer kritisch gesehen.

Ihr umfangreichstes philosophisches Werk ist Die Einwurzelung. Es entstand 1942/43 in ihrem letzten Lebensabschnitt in London. Der Titel ist ganz wörtlich gemeint und steht für das menschliche Grundbedürfnis nach einer Verankerung in der Gesellschaft. Einwurzelung heißt für Weil die aktive Teilhabe an einer Gemeinschaft, an einer Vergangenheit und eine Aussicht auf Zukunft. Nur durch viele Wurzeln sei das sittliche und geistige Leben des Menschen möglich.

Mit ihrem Text wollte Weil bereits im Krieg den Frieden vorbereiten. Mit ihrem Text versuchte sie, die vom französischen Widerstand vorbereitete neue Verfassung zu beeinflussen. Dabei war es für Weil am wichtigsten, den Pflichten den Vorrang vor den Rechten einzuräumen. Denn Rechte verpflichten vor allem zu ihrer Einhaltung. Außerdem sieht Weil Rechte und Pflichten nur als zwei Standpunkte der gleichen Sache. Verpflichtung ist für sie die ewige Bestimmung des menschlichen Wesens. Wird sie nicht eingehalten, bzw. erfüllt, kann keine Ordnung bestehen.

Wird die Ordnung nicht eingehalten, entsteht Chaos. Durch die Einhaltung von Rechten und Pflichten gegenüber der Gemeinschaft wird die Ordnung hergestellt und aufrecht erhalten. Für Weil ist die Ordnung ein Netz sozialer Beziehungen, in dem jeder seinen Verpflichtungen nachkommen muss. Dabei darf er andere und deren Verpflichtungen nicht verletzen.

Zweites Bedürfnis ist die Freiheit, die Weil als Nahrung der Seele bezeichnet. Sie bringt vor allem die Notwendigkeit zu wählen. Der Mensch kann zwischen mehreren Möglichkeiten entscheiden, die allerdings zuerst nur vage sind. Erst durch die Entscheidung dafür werden sie Teil der Realität. Hier zeigt sich auch Weils Nähe zum Existenzialismus.

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